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Geschrieben von: GeNiUs
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Der LKW rast durch die Dunkelheit, schlingert auf der unbefestigten Schotterpiste. Seine Scheinwerfer stanzen Löcher in die wattige Schwärze, Wassermassen überfluten die Frontscheibe, die hin und her hastenden Wischer haben längst kapituliert. Auf der Ladefläche krachen Körper gegen Metall. Ein Feuerball löst sich aus der Phalanx von Blitzen, durchschlägt das marode Blech. Der schwere Wagen überschlägt sich, scheint für einen Moment in der Luft zu stehen, um sich dann in die nasse Erde einer trostlosen Wiese zu graben. 
Einer der Fahrgäste auf diesem Höllenritt sind - Sie. Ihr Alter Ego überlebt mit knapper Not, wird bewusstlos aus dem LKW gezerrt und mitsamt seiner Ausrüstung beim schmierigen Händler um die Ecke zum Verkauf angeboten. Was nicht schwer ist: Sie sind schließlich ein Tätowierter, ein »Marked One«, wie es in unserer englischen Version heißt. Und die sind begehrt in der Zone, zumindest ihr Wissen. Denn viele dieser Wahrheitssuchenden unter den Abenteurern gibt es nicht mehr. Darum hat es der fette Händler (die Zwischensequenz wirkt so eindringlich, dass Sie sich einbilden, den Gestank seines ungewaschenen Leibes wahrzunehmen) besonders auf Ihren PDA abgesehen: »For this one I can give You ..« (»Für dies Teil gebe ich dir ...«) raunt er im feinsten Wodka-Bariton inklusive stimmigem russischen Akzent Ihrem »Retter« zu. Zum Glück haben Sie Ihre sieben Sinne in diesem Moment wieder einigermaßen beisammen und krallen sich mit schnellem Reflex Ihren elektronischen Wegweiser. Überrascht von diesem Vitalitätsausbruch - schließlich lagen Ihre Überreste gerade noch wohlfeil auf seinem Verkaufstresen - nimmt der bauernschlaue Händler Sie unter seine Fittiche und päppelt Sie hoch. Schließlich kann er an einem  solchen Prachtexemplar weit mehr verdienen, wenn es gefährliche Aufträge für ihn erledigt.
Und da sind wir mitten drin in der Geschichte. Ach ja, die Geschichte. Über die ist ja in den letzten fünf Jahren eigentlich genug geschrieben worden. Für alle, die es verpasst haben, hier eine Zusammenfassung: Nach dem Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl am 26. April 1986 ist rund um das zerstörte Kernkraftwerk (dem so genannten Sarkophag) eine menschenleere Zone entstanden. Im Jahr 2006, auf den Tag 20 Jahre nach der Katastrophe, kommt es dort erneut zu einem Ereignis apokalyptischen Ausmaßes: Die gesamte Zone (das bespielbare Areal entspricht 30 realen Quadratkilometern) wird von einer ungeheueren Explosion erschüttert. Das Gebiet wird flugs vom Militär abgeriegelt, Wissenschaft und Schwarzhandel versuchen trotzdem alles, was nicht niet- und nagelfest ist, aus der Zone zu schaffen - denn die merkwürdigen Fundstücke, Artefakte genannt, scheinen von Gott (oder dem Teufel) persönlich geküsst: Sie können Leben zerstören oder bewahren, sind mit nichts vergleichbar, was von Menschenhand geschaffen wurde und sind entsprechend wertvoll. Das schafft Jobs: Die pure Not treibt die Hungerleider rund um Tschernobyl zunächst in Schutzanzüge und dann in die verstrahlte und von lebensgefährlichen Anomalien durchsetzte Zone. Die Entwickler haben die Geschichte von Stalker also aus historischen Elementen (AKW-GAU, 1986), einem Klassiker der russischen Science Fiction (»Picknick am Wegesrand«, Gebrüder  Strugatzki) und eigener Ausschmückung (zweite Katastrophe 2006) komponiert - und dabei ein epochales Werk der Spielegeschichte geschaffen.
Die Faszination von Stalker liegt in der Stimmigkeit der Welt, im Zusammenspiel der Details. Die faszinierende Hintergrundgeschichte wird von mysteriösen Zwischensequenzen ergänzt. Jede Belohnung im Spiel, jeder der einzigartigen Schauplätze (kein Kellerlabyrinth, kein Haus gleicht dem anderen) hat seinen Sinn. Und wenn dann in schwärzester Nacht ein Blitz die gespenstische Landschaft samt fotorealistischer Schrottkulisse gleißend mit fast schmerzhafter Eindringlichkeit auf die Netzhaut des Spielers peitscht - dann ist das Spielgefühl perfekt. Zwar fällt der Sound gegen die Beleuchtungsorgien der Grafik ab, und die zur (nötigen) Levelabgrenzung eingesetzten Drahtzäune wirken unglaubwürdig, aber selbst die Summe der kleinen Mängel kann diesem Spielerlebnis nicht wirklich etwas anhaben.
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